Tin can Bay Barre Jung und Alt
"Santa" in action .. nur vorübergehend
Zaungäste

Y Not Aktuell

von Bundaberg nach Brisbane

16-12-2011

Um unsere Australientour mit ruhigem Gewissen starten zu können, wollen wir Y Not weiter südlich in die Scarborough Marina nahe Brisbane verlegen. Die Marina ist eine der wenigen, die nicht in einem Fluss liegt. Wer möchte schon, dass sein Boot samt Ponton im reißenden Hochwasserstrom allein auf Reisen geht.  Oder vielleicht verirrt sich ja mal wieder ein Cyclone-Ausläufer bis nach Bundaberg, während wir 1000km weit entfernt Sehenswürdigkeiten bestaunen.

Die Ostküste Australiens ist nicht unbedingt als ideales Segelrevier zu bezeichnen. Die flachen Küstengewässer fallen nur ganz langsam ins Tiefe ab, sodass man gut beraten ist, einen weiten Abstand von der Küste zu halten.
Wer sich die 80 Meilen Umweg um Fraser Island sparen möchte nutzt den Wasserweg, der zwischen der vorgelagerten Insel und dem Festland hindurchführt. Das Fahrwasser ist zwar gut betonnt, aber bei der Wegeplanung müssen Gezeitenunterschiede von über drei Meter berücksichtigt werden, will man nicht ungewollt auf dem Trockenen landen. Der Name "Sandy Strait" sagt bereits alles. Was bei Hochwasser noch wie ein weites Binnenmeer aussieht, entpuppt sich bei Ebbe als ein Gewirr aus flachen Prielen zwischen weitflächigen Sandbänken.
Dass die Betonnung in unserer elektronischen Seekarte nicht mehr überall mit der Realität übereinstimmt und wir uns selbst auf den, zugegebenermaßen nicht ganz neuen, Revierführer nicht 100%ig verlassen können, merken wir recht bald. In den Wasserstraßen ist also aufmerksame Augapfel-Navigation angesagt. Nach etwa der halben Passage ankern wir südlich von Bookar Island, um die vor uns liegende Sandbank am kommenden Morgen bei Hochwasser zu überqueren. Trotz der drei Meter Tidenhub zeigt der Tiefenmesser stellenweise nur 1,4m unterm Kiel an. Rechts und links der schmalen Fahrrinne wird’s gleich noch flacher. Im Fahrwasser steht eine kräftige Gezeitenströmung die uns je nach Kurs in eine andere Richtung versetzt. Für uns, die wir lange Zeit nur tiefes Blauwasser befahren haben, ist das erst mal wieder eine Umstellung. Ein bisschen mulmig wird uns bei dem Gedanken, dass wir hier 14 Tage auf die nächste Springtide warten müssten, wenn wir jetzt auflaufen sollten.
Eine zweite sehr flache Stelle südlich von Stuart Island verschafft uns einen weiteren Adrenalinstoß. Dann sind wir im tieferen Wasser. Denken wir. Denn wir haben die Rechnung ohne die Barre gemacht, die wir an der Öffnung zum Meer überqueren müssen. Ihre Lage und Tiefe verändert sich ständig. Die parallel zur Küste laufende Meeresströmung treibt immer wieder Sand heran, durch den der ablaufende Tidenstrom sich einen neuen Weg bahnen muss. Von der Coast Guard erhalten wir per UKW-Funk die aktuellen Wegepunkte für die Passage. Ohne sie hätten wir wohl deutlich mehr geschwitzt, denn die Barre steigt urplötzlich von 18m auf 5-6m an. Bis zu 3kn Tidenstrom sorgen dafür, dass wir mit 9kn Fahrt ins Meer gespuckt werden. Dort wo die Strömung auf die sanft gegenan laufende Dünung trifft, bilden sich steile Wellen und Y Not stampft mächtig in der Grundsee. Aufgewirbelter Sand verhindert jede Tiefenabschätzung. Nur die weiße Gischt der Brandung rechts und links von uns verrät wo das Wasser zur Sandbank wird. Wir stellen uns vor, wie chaotisch die See hier bei starkem Ostwind oder hohem Schwell aussehen muss. Dann möchten wir da lieber nicht drin sein.

In der Moreton Bay erwarten uns ähnliche Verhältnisse. Mit Ausnahme eines kleinen Irrtums des Skippers, den der Admiral schnell bemerkt, hangeln wir uns ohne Probleme von Tonne zu Tonne durch die Nacht. Die Scarborough Marina ist gut besucht. Wir bekommen den letzten Platz am äußersten Ende des Steges, gleich bei der Einfahrt. Umso mehr wundern wir uns, als bei Niedrigwasser der Tiefenmesser nur noch 1,8m anzeigt. Wir stecken also mit dem Kiel alle 12 Stunden ca. 30cm tief im Schlamm. Die anderen Plätze im Hafen sind laut Marina-Management angeblich auch nicht viel besser und dabei soll Scarborough nicht nur die sicherste sondern auch die tiefste Marina sein. Zugegeben, der Schlick ist sehr weich, sodass wir darauf hoffen können, vor der Abreise nicht schon wieder das Antifouling erneuern zu müssen. Was hilft’s. Jetzt gilt es, wie in Neuseeland, ein kleines Wohnmobil zu erstehen und unser nächstes Abenteuer zu planen.

Eine Einladung zur Weihnachtsfeier lässt sich man/frau natürlich nicht entgehen. Onkel und Tante von Sony (SY „FEE“) sind vor vielen Jahren hierher ausgewandert. Zu dem Familientreffen versammeln sich jedes Jahr Alt und Jung, inzwischen an die 30 Familienmitglieder, und wir sind dabei herzlich willkommen. Unter einem immergrünen Christbaum verteilt „Santa Claus“ für jeden Geschenke bevor sich alle auf das üppige Grillbuffet und die kühlen Getränke stürzen. Glühwein wäre bei diesen Temperaturen wohl auch fehl am Platz.

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