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Patagonien

Patagonische Steppe

24-11-2007
 

Am Flugplatz in Comodoro Rivadavia werden wir von Martin, unserem Guide, abgeholt. Die Maschine der Aerolinas Argentinas ist 7 Stunden verspätet. Zu spät, um das erste Etappenziel, den Ort "Los Antigos“ noch am gleichen Tag zu erreichen. Irgendwo auf der Piste von der Ostküste in Richtung Anden übernachten wir in einem kleinen Hotel.

Am nächsten Morgen beginnt unser Abenteuer richtig. Wir passieren die Steppe Patagoniens. Ein lang gehegter Traum. Anfänglich begleiten uns noch die zahlreichen Ölförderpumpen. Die Strasse verläuft schnurgerade bis zum Horizont. Endlose graubraune Ebenen, nur spärlich bewachsen von wenigen Gräsern und Büschen beherrschen das Bild soweit das Auge reicht. Trotzdem ist es gerade diese unglaubliche Leere, die wie für ein Versprechen von Freiheit steht.
450 km ohne eine Ortschaft. Alle 20-30 km ein paar Gebäude, von schützenden Bäumen umgeben. Estancias. Die Schaffarmen liegen wie Oasen in der kargen Graswüste. Eine kleine Estancia besitzt etwa 20.000 Hektar der umliegenden Fläche, große bis zu 1Million! Das hört sich für europäische Verhältnisse gigantisch an, aber bei dem spärlichen Bewuchs und dem langsamen Wachstum braucht ein Schaf mehrere Hektar Weidefläche, damit sich die Natur ausreichend regenerieren kann.

Die baumlose Landschaft ermöglicht uns eine enge Begegnung mit den hier wild lebenden Tieren. Überall sichten wir kleinere Gruppen von Guanacos (Lama-Familie). Ñandus, die patagonischen Strausse, versuchen sich im Wettrennen mit unserem Allradfahrzeug. Füchse, Gürteltiere (Piche), Skunks und eine Art große schwanzlose Ratte, genannt Vizcacha, deren begehrtes Leder für Schuhe, Taschen und Gürtel Verwendung findet, sind häufig am Strassenrand zu entdecken.

 

unser junger Guide Martin

Inmitten dieser Einöde überrascht ein tief in die Ebene eingeschnittener Canyon. Saftiges Grün umgibt das Flussbett. In den steilen Felswänden befinden sich viele schützende Höhlen. Ein idealer Platz für die Menschen, die hier in der Steinzeit gelebt und gejagt haben.
„Cuevas de los Manos“, die „Höhlen der Hände“ -  Unesco-Welt-Kulturerbe.
Die Wände sind übersät mit Handabdrücken und Zeichnungen von Jagdszenen. Die mineralischen Farbpigmente haben die 9500 Jahre seit ihrer Entstehung bis heute problemlos überstanden. Bedauerlicherweise müssen sie jetzt mit einem Gitterzaun gegen Vandalismus geschützt werden.

Am Lago Posadas legen wir einen Wandertag ein. Einsamkeit. Die Stille ist hörbar. Sie umhüllt uns während einer Rast in einer geschützten Bucht. Wir entdecken ausgetrocknete Lagunen, die Mondlandschaften gleichen, und weitere kaum bekannte Höhlen mit rituellen Malereien der Hand-Motive. Abends geniessen wir frische Forelle, die Martin im See gefangen hat.

Weiter geht’s auf der Schotterpiste der legendären „Routa 40“ in Richtung El Chaltén. Zur Mittagspause auf der entlegenen Estancia “Siberia"  kosten wir erstmalig Guanaco-Fleisch. Schmeckt fast wie Rind, ist zart und sehr mager. Die Estancia hält jedoch noch eine besondere Überraschung für uns bereit. Ein erst kürzlich entdecktes Feld  mit Resten eines versteinerten Waldes. Wir sind die ersten Touristen, die es zu sehen bekommen. Wir sind uns zwar des Frevels bewusst, können aber nicht widerstehen, uns heimlich ein kleines Stück einzustecken. Ein Andenken mit Seltenheitswert.

Nach über 9 Stunden Fahrt empfängt uns das in einem sonnendurchfluteten Tal gelegene Bergdorf El Chaltén. Top