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Chora Aussichten
Taubenhaus ganz in weiss
Strasse v.Korinth Morgenlicht

Ägäis

Strasse von Korinth

Unser Ziel liegt irgendwo im Nordwesten, aber bei Wind aus Nord-Nordwest wagen wir nicht davon zu träumen von Serifos direkt nach Ägina segeln zu können. Wir rechnen damit, noch einmal die Insel Hydra an der Ostküste des Peloponnes anlaufen zu müssen. Zwar ist der Hafen dort abends immer voll - und wir würden spät ankommen – aber es ist gemütlich dort. Ich kenne den Ort von früheren Chartertörns.
Je weiter wir gen Westen kommen umso mehr dreht der Wind ganz lehrbuchhaft nach Nordost, bis wir auf fast nördlichem Kurs die Insel Ägina im Saronischen Golf anvisieren können. Sie ist das Sprungbrett in den Kanal.
Bereits bei der Ankunft fiel uns an der Vegetation und dem Baustil auf der Insel auf, dass wir in eine andere Welt kommen. Man wird hier mehr an die Küsten von Italien erinnert als an die nur 100km entfernte Ägäis. Wir ankern in einer kleinen Bucht, natürlich mit Taverna, blieben aber mangels Dinghi an Bord.

Gegen Mittag des nächsten Tages machen wir an der Mole vor der Einfahrt in den Kanal von Korinth fest. Neben dem Panama- und dem Suezkanal ist diese Wasserstrasse wohl mit die bekannteste, aber pro Meile die mit Abstand teuerste. 224 € berappen wir für die nur 6,3km!
Gleichwohl ist es ein kleines Abenteuer durch die 76m hohe und unten nur 25m breite Schlucht hindurchzufahren. Im Kanal steht eine Strömung bis zu 3 kn, deren Richtung vom Wind abhängig ist. Hinzu kommen können starke Fallböen, die die ganze Aufmerksamkeit des Rudergängers erfordern.
Die gespannte Erwartung ist den Crews anzumerken. Als die rote Flagge gegen die blaue als Zeichen der freien Einfahrt ausgetauscht wurde, stürmen manche  Boote wie wild los, um ja als erster in die enge Strasse zu gelangen, in der ein Überholen unmöglich ist. Eine großer Motorsegler unter englischer Flagge drängt ein kleines italienisches Segelboot beinahe auf die Kaimauer nachdem er den „Start“ verpennt hat, nur um nicht dem Kleinen im Kanal hinterher fahren zu müssen. Bei uns lief alles besser als angenommen. Wir blieben brav hinter dem kleinen Italiener und erreichten wohlbehalten die andere Seite. Wir wollten aber nicht bereits in Korinth festmachen, sondern den restlichen Tag nutzen, gen Westen zu kommen.

Abends landeten wir in dem kleinen Örtchen Antikyra an der Nordseite des Golfes von Korinth, am Ende einer stillen, idyllischen Bucht. Dieser Ort ist vom Tourismus noch nicht entdeckt worden, wenn man von ein paar griechischen Urlaubern absieht. Direkt vor dem Leuchtturm machten wir fest. Beim Abendessen in einer kleinen Taverna kommen wir mit dem sympathischen Besitzer ins Gespräch. Vagilis verrät uns, dass er 25 Jahre lang in Deutschland  verschiedene griechische Restaurants im Ruhrgebiet betrieben hat und sich jetzt mit dieser kleinen Taverna hier zu Hause zur Ruhe setzen will.  Als Ortskundigen fragen wir ihn, wie wir nach Delfi kommen könnten, mit dem Bus oder einem Mietauto. Denn die Stätte des berühmtesten Orakels der Antike wollten wir uns nicht entgehen lassen. Kein Bus, kein Mietauto war die enttäuschende Antwort. Dann das Unerwartete. Nach einer Denkpause bot er uns einfach an, mit seinem Auto zu  fahren. Man stelle sich vor, ein Wildfremder fragt in Deutschland nach dem Weg und wir leihen ihm unser „heiligs Blechle“. Realistisch?

Uns fällt es schwer das Angebot anzunehmen, geben dann aber der Verlockung nach als er sogar anbietet, selbst zu fahren. Am nächsten Morgen drückte er uns dann einfach den Schlüssel seines Fiat in die Hand mit der Ausrede, dass er wichtige Termine habe. So fuhren wir also allein die 50km nach Delfi. Unser Dank bei der Rückkehr und die beiderseitige Freude über dieses außergewöhnliche zwischenmenschliche Ereignis hat bei allen Beteiligten eine sichtbare emotionale Rührung bewirkt. Wieder etwas dazu gelernt! Danke Vagilis.

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